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Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: eich
was soll ich sagen.
seit ich hier bin
seit ich hier bin trage ich taschen
voller papiere, fahre ich fahrstuhl
telefoniere, trinke kaffee wie ein mann
mit terminen, liege ich schlaflos,
interpretiere, huste und reime, traurige
tiere, spende dem geiger in der passage
einen gedanken, was ist das leben,
wenn nicht ein geigen in den passagen,
was kann er tun und was soll ich sagen:
pflege kontakte und streue asche auf
deine akte. so ist das hier.
hans ulrich treichel
m. 30.08.2010, 09.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL
was für zeiten.
rückfall
gelegentlich ein rückfall
in die rauchschwaden des
blues, ins heulende saxophon,
von ich weiss nicht wem.
ab und zu eines der bücher,
die auf dem kleiderschrank
stehen. kürzlich fiel mir
camus vor die füsse. mein gott,
was für zeiten, als alles
noch sinnlos war, und ich
geschmeidig im kreuz.
hans-ulrich treichel
[aus: gespräch unter bäumen - suhrkamp]
m. 03.08.2009, 09.06 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL
wartesäle.
entwicklung
verzögerungen erfinden,
relais einbauen,
umwege, aufenthalte, wartesäle.
kann, soll und muss,
und kreuzungsfrei,
im hundert, vom hundert, auf hundert.
hinweise auf wörterbücher,
journale, der vorzug
von sprachfehlern.
günter eich
[aus: sämtliche gedichte – suhrkamp]
m. 28.12.2008, 12.28 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
beispielsweise.
morgenandacht
sanft gerötet der himmel
überm dachfirst, die stelle
unterm auge, in der zeitung
falzgesichter, in der wohnung
ich, schwach, diffus, leicht
multipel, meine schultern
beispielsweise fallen heute
eher schemenhaft aus,
gar nicht zu reden vom gewirr
der gedanken, dem gangliengesumm,
wer weiss schon, wie es wirklich
um das abendland steht.
hans-ulrich treichel
[aus: gespräch unter bäumen – suhrkamp]
m. 29.09.2008, 06.38 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
eingefärbt.
ungültige landkarte
das muster
von regen und schonung,
die knoten von dorfweihern, -
ich habe sie eingefärbt,
wie es mir notwendig war.
meine lieben spinnen
haben darüber gewebt,
ein zweites muster,
dem ich zustimmte,
als ich fortging
günter eich
[aus: sämtliche gedichte – suhrkamp]
m. 18.09.2008, 08.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL
die wegmarken.
nachhut
steh auf, steh auf!
wir werden nicht angenommen,
die botschaft kam mit dem schatten der sterne.
es ist zeit, zu gehen wie die andern.
sie stellten ihre strassen und leeren häuser
unter den schutz des mondes. er hat wenig macht.
unsere worte werden von der stille aufgezeichnet.
die kanaldeckel heben sich um einen spalt.
die wegweiser haben sich gedreht.
wenn wir uns erinnerten an die wegmarken der liebe,
ablesbar auf wasserspiegeln und im wehen des schnees!
komm, ehe wir blind sind!
günter eich
[aus: sämtliche gedichte - suhrkamp]
m. 02.08.2008, 13.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL
eine leise veränderung.
sommerfrische
lektüre auf aussichtsbänken
während am horizont
die berge versetzt werden
und die gasthöfe
lautlos zerstäuben.
ein hund kommt
auf deiner fährte,
im maul die zeitung von morgen.
sichtbar und hinter
milchglasscheiben
eine leise veränderung,
niemand bemerkt sie
in seinen entwürfen.
das licht geht an
beim druck auf den schalter.
günter eich
[aus: sämtliche gedichte – suhrkamp]
m. 15.05.2008, 09.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL
bahnübergänge.
tragtasche
läden für süsswaren
und spirituosen,
magazine voll essig,
bahnübergänge
und berberitzen,
die verszeile aus zermatt
mitgenommen ins alter,
schlecht verpackt,
und bei jedem einkauf
fallen tage aus den taschen,
und der neige d’antan
hängt im sohlenprofil,
dass die verkäufer flüstern
und ein lehrling kichert
hinter dem weisskrautfass.
günter eich
[aus: sämtliche gedichte – suhrkamp]
m. 22.04.2008, 07.24 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
genug.
verständlich und nicht
zugängliche
minuten weiss ich
genug.
die rote lampe
in den durchlöcherten
malvenblättern.
lass dieses ohne zeit
unangetastet
von verstehen.
günter eich
[aus: gedichte | prosa | hörspiele - buchclub ex libris zürich]
m. 18.03.2008, 08.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL
nilpferde.
diese flugzeuge
zwischen boston und düsseldorf.
entscheidungen aussprechen
ist sache der nilpferde.
ich ziehe vor, salatblätter auf ein
sandwich zu legen und
unrecht zu behalten.
günter eich
gefunden in einer hommage von iris radisch in 'die zeit'
m. 09.01.2008, 20.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL
marianne rieter
fortsetzung folgt
leseheft mit 21 gedichten
ISBN 978-3-94 1296-20-6
im proberaum, klingenberg
eur 6.90 + porto
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