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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: kaschnitz

schmetterlinge.





zuweilen



zuweilen schläft auch der dichter
der alte verderber der feste
ausgezählt hat er sich selber
gesunken ins sterntalergras.
schnellwachsender traum überspinnt ihm
die spähenden augen
auf seiner schreibhand
begatten sich schmetterlinge
seine sturmvögel plappern wie spatzen
das liebliche immer-schon-da.



marie luise kaschnitz



m. 14.04.2009, 08.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL

abschied.

 





abschied vollzog sich innen, immer innen.



marie-luise kaschnitz




m. 08.12.2008, 08.27 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

zeichen.





am strande



heute sah ich wieder dich am strand
schaum der wellen dir zu füssen trieb
mit dem finger grubst du in den sand
zeichen ein, von denen keines blieb.

ganz versunken warst du in dein spiel
mit der ewigen vergänglichkeit
welle kam und stern und kreis zerfiel
welle ging und du warst neu bereit.

lachend hast du dich zu mir gewandt
ahntest nicht den schmerz, den ich erfuhr:
denn die schönste welle zog zum strand
und sie löschte deiner füsse spur.



marie luise kaschnitz
[aus: liebesgedichte – insel verlag]




 

m. 28.07.2008, 08.16 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

flugsand.

 





ein gedicht



ein gedicht, aus worten gemacht.
wo kommen die worte her?
aus den fugen wie asseln,
aus dem maistrauch wie blüten,
aus dem feuer wie pfiffe,
was mir zufällt, nehm ich,
es zu kämmen gegen den strich,
es zu paaren widernatürlich,
es nackt zu scheren,
in lauge zu waschen
mein wort
meine taube, mein fremdling
von den lippen zerrissen,
vom atem gestossen,
in den flugsand geschrieben
mit seinesgleichen
mit seinesungleichen
zeile für zeile,
meine eigene wüste
zeile für zeile
mein paradies.



marie luise kaschnitz



gefunden bei wildgans




m. 11.07.2008, 13.19 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

meine pathetischen verse.

 





du sollst nicht



du sollst mir nicht zusehen wenn
meine fratzen den spiegel zerschneiden
wenn ich mich umdrehe nachts
fensterwärts wandwärts
und die leintücher seufzen.

du sollst nicht sehen wie ich mich vorwärtstaste
blind an der kette meiner niederlagen
(auch an diese kann man sich halten)
noch anwesend sein
wenn ich meine pathetischen verse lese.

einmal bedurfte es nur eines wortes von dir
und die laufschritte in meinem rücken fielen ab.
nur deiner hand mir unter die wange geschoben
und ich schlief.



marie luise kaschnitz
[aus: liebesgedichte – insel verlag]




m. 25.06.2008, 19.39 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

nur ein wort.

 





nur ein wort und ein wort und ein wort
wahllos aus dem sprachnetz gerissen
zueinandergeschleudert
umarmen sich.
sind sogleich eine
sind meine welt.



marie luise kaschnitz
[aus: ziemlich viel mut in der welt – insel verlag]




m. 17.05.2008, 12.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

die roten schuhe.





morgen



morgen passen mir die roten schuhe
morgen bin ich leicht und hafte nirgends
morgen bläst mich dein geheimer atem
meertief über das zerwühlte herzland
morgen spielt der abend mir vom blatt
rotem sichelblatt des eukalyptus
drei vergessene winzige etüden
hingetupfte schwarz und elfenbein.



marie luise kaschnitz
[aus: liebesgedichte – insel verlag 2005]



 

m. 17.04.2008, 14.52 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

nichtsahnend.

 





wo



wo. bei den winzigen schneckenhäusern
im knöchernen distelgezweig
der sizilischen hügel
oder im dunststreif
künstlich fontänengleich
in den äther geführt
von der rasenden staffel.
im hochmoor
im wachsernen wollblumenhaupt
an dem ich vorübergehe
weinend nichtsahnend.
im lichtfleck
der hinstreift nachts
an der wand meines zimmers.
im libellenflügel der surrt
in der glocke die hämmert.
du
überall nirgends.



marie luise kaschnitz




m. 01.11.2007, 09.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL

nur ein wort.

 





blätter



wer blätter herabgeweht
auffängt
fügt den sommerbaum
doch nicht zusammen
die vom steinwurf zerbrochene scheibe
stellt sich nicht wieder her
nur ein wort und ein wort und ein wort
wahllos aus dem sprachnetz gerissen
zueinandergeschleudert
umarmen sich
sind sogleich eine
sind eine welt.



marie luise kaschnitz




m. 06.10.2007, 10.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL

dann im wind.

 





tritte des herbstes



du lieber herbst
das laub
noch heiss vom sommer
und leuchtet feurig
dann im wind
die feinen
knöchernen tritte
zweigauf
zweigab.



marie luise kaschnitz
[aus: das ist die nachtigall, sie singt]




m. 20.09.2007, 08.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL



kommentare.
tabea:
*nickt*ja!
...mehr

eva:
so viel ... ja.wunderbares gedicht, danke!
...mehr

Quer:
Oh ja, immer wieder gilt es, aus dem Nichts z
...mehr

marianne:
so wahr!
...mehr

eva:
das wäre mal eine abwechslung, indeed ... "se
...mehr

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