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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: krolow

geduldig.





älter werden



l

mit dem fingernagel
jahreszahlen
zerkratzen.

leichterer schlaf.
der traum von kurzen sätzen.

der schwarze chambertin
mit der erinnerung an weinläden,
die die phantasie wärmten -
(sein spiegel sinkt
in der flasche).

in einem zimmer
mit sterbenden buchstaben leben.

ein fremder mund,
der mir die sprache raubt.

ihn geduldig
den eigenen namen nennen hören.



karl krolow
[aus: alltägliche gedichte - suhrkamp]




m. 25.10.2009, 14.25 | (0/0) Kommentare | TB | PL

was man braucht.





mit langem arm



mit langem arm
reicht man weit
in eine freundliche zukunft,

hält, was man braucht,
rechtzeitig in händen,
hat seinen einfluss
auf verhältnisse.
mit ovalem gesicht
macht man sein glück,
geht richtig durch offenstehende
türen, boden unter den füssen.
über die schulter sieht man
die tage an mit ihren kniebeugen.
später wendet man den kopf
in andere richtung,
niemand kennt die muskeln,
die man für sich selber
spielen lässt, allein,
vor dem schlafengehen.



karl krolow
[aus: alltägliche gedichte – suhrkamp]




 

m. 09.09.2009, 09.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL

so weit, so gut.





meinungen



meinungen sind mir lieb.
aus ansichtskarten
lässt sich ihr schicksal lesen.
die landschaft ist als überzeugung
bequem zur hand,
belaubt im sommer, später kahl,
nur manchmal immergrün.
ich sehe das gelände
sich ständig ändern.
oben der himmel bleibt.
mit sachkenntnis
färbt er sich morgens rot: aurora.
man denkt an zukunft.
doch der tag wird anders.
er zieht sich hin.
so weit, so gut.
die zeit wird schliesslich lang
und unterm fingernagel
schmutzig.



karl krolow
[aus: alltägliche gedichte – suhrkamp]


 

m. 17.07.2009, 10.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL

handlich.





höhe des frühjahrs



man winkt mit tüchern
unter den bäumen des landes.

ohne überlegung
entstehen grüne schatten.

die gegenstände
sind nicht mehr einsam.

die ferne wird handlich
mit ihrem einfachen
wolkenhimmel.

dagegen
dir irregeführten augen:
die blumen wuchsen
zu rasch für ein zeichenheft.

ihre von der luft
verdünnten farben.

später
mit überhitztem kalklicht
der sommer.



karl krolow
[aus: alltägliche gedichte – suhrkamp]




 

m. 18.05.2009, 09.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL

handküsse.





auf dem rückzug



schliesslich konnte man nicht einmal mehr
leitern an ihn legen.
auch keine kleinen feuer.

augenpaare und streichhölzer
überredeten ihn vergebens.
er war nicht brennbar.

dafür kam es vor,
dass er auf sein zimmer ging
und durchs fenster
verbeugungen austeilte.

unterm bett wartete
ein korb voller handküsse
auf den wink einiger verstorbener.

sie zeigten sich ihm manchmal
in einer wolke.



karl krolow
[aus: unsichtbare hände – suhrkamp]




 

m. 27.03.2009, 08.57 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

von diesem licht.



foto: marianne rieter






der augenblick des fensters



jemand schüttet licht
aus dem fenster.
die rosen der luft
blühen auf.
und in der strasse
heben die kinder beim spiel
die augen.
tauben naschen von seiner süsse.
die mädchen werden schön
und die männer sanft
von diesem licht.
aber ehe es ihnen die anderen sagen
ist das fenster von jemandem
wieder geschlossen worden.



karl krolow




m. 14.01.2009, 09.16 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

blumen.





winterliches leben



1

die zuverlässigkeit des dunkels.

es ist tatsache, dass nun
eine hand die andere leichter findet.

feuer werden angezündet
vor den augen der kälte.
die erinnerung an gestern,
ist die geschichte von morgen:
die worte frieren im munde.
die sprache stirbt
vor den lippen
als rauch.

die krise des lichtes hält an.
der frost ist eine singende maschine.
ihr ton ist weit im land
zu hören.




2

sprich blumen ans fensterglas:
es ist draussen winter.
die gefühle der landschaft
heissen langmut
mit erfrorenen flüssen.

das wahre leben
nennt sich weiss.

das kinderspiel mit farben
ging zu ende.

merke dir unterwegs alles:
zwischen hinweg und rückkehr
wird schnee fallen.



karl krolow
[aus: unsichtbare hände – suhrkamp]




 

m. 09.01.2009, 08.17 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

traurigkeit.

 





begrabene zeit. winter



begrabene zeit.

der winter fällt
als tote amsel
aus dem nussstrauch.

in den medaillons

frieren die verstorbenen
vor liebeskälte.

ihre ansteckende traurigkeit,
wenn aus lippen ein mund wird,
der flüstert:

so weiss, so fern.



karl krolow
[aus: landschaften für mich, neue gedichte – edition suhrkamp]




m. 06.12.2008, 08.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

herzschlag.

 





die gehenden tragen
ihren vergessenen herzschlag
mit sich.



karl krolow




m. 02.12.2008, 09.09 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

ein kleines licht.

 





herbstlicher kupferstich



herbstlicher kupferstich -
walzerschritte eines windes,
der blätter von den bäumen
reisst.

silbernes rascheln oben,
der himmel.

leere weinfässer füllen sich wieder.

früchte voller zucker,
wie der geschmack
von pfennig-bonbons.

entzünde gegen abend
ein kleines licht
für die träume!

später
der geruch gelöschter lampen -
süsses öl.



karl krolow
[aus: landschaften für mich – suhrkamp]




m. 03.11.2008, 07.24 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL



kommentare.
tabea:
*nickt*ja!
...mehr

eva:
so viel ... ja.wunderbares gedicht, danke!
...mehr

Quer:
Oh ja, immer wieder gilt es, aus dem Nichts z
...mehr

marianne:
so wahr!
...mehr

eva:
das wäre mal eine abwechslung, indeed ... "se
...mehr

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