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Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: mayröcker
nachdenken.
das liebesobjekt
im alter nämlich dieses bescheidensein : nur sehen das liebe ding nur sehen vielleicht auch sprechen, paar worte sprechen, zuhören lieber zuhören vielleicht nichts selber sagen nur schauen : das liebe ding : anschauen, die hand die hand reichen drücken die hand, spüren die haut der hand, blicken ins auge das auge suchen und blicken sehen dasz es lächelt das liebe ding, kl.liebevolles lächeln und schon die tränen aber die tränen zurückdrängen, nein nicht weinen dieses bescheiden sein im alter nämlich. nur schauen horchen, die hand reichen, sein lächeln empfangen. ist schon alles mehr ist nicht vonnöten, und drauszen die 1.stürme. huschen dann, huschen in die verborgene sprache ins neue gedicht allein dann : weinen und denken nachdenken über die welkenden blumen des eigenen lebens, das verpixelte foto, rittersporn, rose, das flammende mondlicht, die winternacht, die süszen tränen, den zartgliedrigen eros
friederike mayröcker
[aus: dieses jäckchen (nämlich) des vogel greif – suhrkamp]
m. 29.06.2010, 08.49 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
wahrlich.
nur nicht enden möge diese seligkeit dieses lebens nur nicht enden
ich habe ja erst angefangen zu schauen zu sprechen zu schreiben
zu weinen und hinter den jalousien das mich scheuchende licht des
morgens, oh sprieszendes blut und blüte des leibes, ,privatisierung
der literatur‘ (jd), wahnwitz der heiligkeit dieses lebens das ich ans
herz (drücke), das mir so teuer – wahrlich dieser mich umarmende
horizont gabe meiner bekenntnisse während wehende veilchen.
friederike mayröcker
[aus: dieses jäckchen (nämlich) des vogel greif. gedichte 2004-2009 - suhrkamp]
m. 12.03.2010, 09.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL
alles an mir.
um schreiben zu können, (…) musz ich BEBEN, alles an mir musz BEBEN, mein kopf und mein leib meine füsze und hände, wenn das BEBEN nicht eintritt ist es nur eine fleiszübung.
friederike mayröcker
gefunden im kultiversum
m. 15.02.2010, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL
im gleichen augenblick.
als sie noch 1 x winkte beim ab-
schied als ich noch 1 x winkte beim
abschied nämlich im gleichen augen-
blick, dachten wir wohl beide die worte
des dichters konfuzius “beim abschied
hatte der wirt so lange am tor zu war-
ten, bis der gast sich nicht mehr
umsah…”
friederike mayröcker
[aus: scardanelli – suhrkamp]
m. 01.11.2009, 22.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL
debussy.
lied ohne worte
hellrote hortensie
ich sehe den ununterbrochenen wind.
alles duftet nach liguster.
die fenster sind mit lanzen verhängt.
die uhren singen.
du hast schimmernde augen.
oben im blauen claude debussy.
violette zikade.
ich kämme durch geborstene dachstühle.
ich höre dein weiszes herz.
du bindest die feuchten
garben der lust.
eine grüne lilie wächst
in deinem schatten.
die erdbeeren bluten.
der wein blüht.
du säst dornen.
rose in moll.
friederike mayröcker
m. 16.09.2009, 12.25 | (0/0) Kommentare | TB | PL
vor vielen jahren.
mit scardanelli
im grunde deines mundes, damals
wann weisz die schwalbe dasz es frühling
wird nachts nadelst du als regen an mein fenster ich
liege wach ich denke an die nachmittage umschlungenen
mitternächte, vor vielen jahren diese rosenkugeln die
schaafe auf der dunklen himmels weide
[aus: scardanelli – suhrkamp]
m. 16.07.2009, 10.07 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
tagelang.
die sonne
die sonne
hat meine wolken gestochen
es ist nur eine spanne gewesen
zwischen ihr und ihnen
sie hatten es tagelang
gefürchtet
friederike mayröcker
m. 08.04.2009, 09.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL
in wirklichkeit.
hat da 1 unsichtbarer vogel gezogen
sein lied aus der kehle
mitten im winter ich höre
den gestrichenen ton aus der kehle
höre die vogel kehle
und weiss nicht aus wessen kehle
in wirklichkeit ich meine es könnte ja sein
ich zöge jenen asthmatischen atem
aus der eigenen kehle
oder irgend geliebtes wesen das unsichtbar bleibt
zieht diesen ton aus unsichtbarer kehle
eine flamme, ein wasserziehendes rauch extrem
eine entfesselte rose im fenster – ade.
friederike mayröcker (für ernst jandl)
[aus: mein arbeitstirol – suhrkamp]
m. 23.10.2008, 07.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL
mein stillstes wort.
wird welken wie gras – auch meine hand und die pupille
wird welken wie gras – mein fusz und mein haar mein stillstes wort
wird welken wie gras – dein mund dein mund
wird welken wie gras – dein schauen in mich
wird welken wie gras – meine wange meine wange und die kleine blume die du dort weiszt
wird welken wie gras
wird welken wie gras – dein mund dein purpurfarbener mund
wird welken wie gras – aber die nacht aber der nebel aber die fülle
wird welken wie gras wird welken wie gras
friederike mayröcker
m. 12.10.2008, 18.38 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
schweigend.
unter bäumen tränenmorgen
unter bäumen saszen wir und waldes brausen unter
bäumen sprachen zu einander schwiegen blickten
in den wald der schon die blätter warf und fegte
lindenblütenblätter auf den wegen unter bäumen saszen
wir und schwiegen unter bäumen ich allein und
schweigend ohne dich unter bäumen du allein und
schweigend ohne mich
friederike mayröcker (für ernst jandl)
[aus: gesammelte gedichte – suhrkamp]
m. 23.09.2008, 08.41 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
marianne rieter
fortsetzung folgt
leseheft mit 21 gedichten
ISBN 978-3-94 1296-20-6
im proberaum, klingenberg
eur 6.90 + porto
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