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Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: neruda
das wort.
... alles was sie wünschen, ja mein herr, denn es sind die wörter, die singen, die steigen und fallen ... vor ihnen werfe ich mich nieder ... ich liebe sie, ich schätze sie, verfolge sie, zerbeisse sie, lasse sie im mund zergehen ... so sehr liebe ich die wörter ... die unerwarteten ... sie, die man gierig erwartet, belauert, bis sie plötzlich fallen ... geliebte vokabeln ... sie glänzen wie bunte steine, hüpfen wie fische aus platin, sind schaum, strahl, metall und tau ... manche wörter verfolge ich ... sie sind so schön, dass ich sie alle in meinem gedicht verwenden will ... ich fange sie im flug, wenn sie summen, und halte sie fest, reinige sie, schäle sie, setze mich vor den teller, fühle sie kristallin, zitternd, aus ebenholz, pflanzlich, ölig, wie früchte, wie algen, wie achate, wie oliven ... dann lasse ich sie kreisen, bewege sie, schlürfe sie, verschlinge sie, zermalme sie, putze sie heraus, befreie sie ... lasse sie wie stalaktiten in meinem gedicht, wie poliertes holz, wie kohle, wie strandgut, geschenke der woge ... alles ist im wort ... eine idee verändert sich, weil ein wort von der stelle gerückt ist, weil ein anderes sich wie eine kleine königin im satz niederlässt, der sie nicht erwartet hat und ihr nun gehorcht ... sie haben dunkelheit, durchsichtigkeit, gewicht, federn, haare, sie haben alles, was an ihnen haften blieb auf der langen irrfahrt durch den fluss, auf der langen wanderschaft in ihrem vaterland, während ihres langen wurzeldaseins ... sie sind uralt und blutjung ... sie leben im verborgenen sarg und in der kaum begonnenen blüte ...
pablo neruda
[aus: das wort]
m. 26.04.2009, 22.09 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
wozu. wonach. wieso.
wozu fragen mich die wellen,
wonach ich sie frage?
und wieso branden mit soviel vergeblichem
schwung sie gegen die felsen?
werden sie nicht müde, immer wieder
dem strand ihre liebe zu erklären?
pablo neruda
m. 20.08.2008, 08.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL
auf den wegen.
dann wechseln wir die haut,
nägel, blut und blick,
und du küsst mich und ich geh hinaus,
licht auf den wegen verkaufen.
gegrüsst sei die nacht und der tag
und die vier jahreszeiten des herzens.
pablo neruda
[aus: was geschieht nicht alles an einem tag]
m. 25.02.2008, 09.14 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
lasst mich allein.
jetzt ist die frühe stunde
das licht fliegt mit seinen bienen
lasst
gebt mir zeit
dass ich geboren werde.
pablo neruda
[in: bitte um ruhe]
m. 31.08.2007, 07.27 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL



